Blick auf die Altstadt von Breslau
Blick auf die Altstadt von Breslau (Quelle Pixabay)

Breslau: Kultur, Geschichte und Lebensfreude an der Oder

Breslau (polnisch Wrocław), die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien, gehört zu den faszinierendsten Städten Polens. Farbenfrohe Bürgerhäuser, eine über tausendjährige Geschichte, beeindruckende Kirchen und moderne Architektur machen die Stadt zu einem idealen Ziel für einen Städtetrip. Oft wird Breslau als „Stadt der Brücken“ bezeichnet, denn die Oder und ihre Nebenarme durchziehen das Stadtgebiet mit zahlreichen Inseln und Brücken. Gleichzeitig versprüht die niederschlesische Metropole eine junge, lebendige Atmosphäre, die Besucher schnell in ihren Bann zieht.

Wer zum ersten Mal nach Breslau reist, sollte sich genügend Zeit nehmen, denn die Stadt bietet weit mehr als nur eine schöne Altstadt.

Hier sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die bei keinem Besuch fehlen dürfen

Der Marktplatz – das lebendige Herz der Altstadt

Der Breslauer Marktplatz mit dem Alten Rathaus
Der Marktplatz von Breslau © zugprofi.com

Der Rynek, der Breslauer Marktplatz oder auch der Große Ring, zählt zu den größten und schönsten mittelalterlichen Marktplätzen Europas. Rund um den Platz reihen sich prächtig restaurierte Bürgerhäuser in allen Farben aneinander. Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte sorgen für eine lebendige Atmosphäre, während Straßenmusiker und Künstler das Bild bereichern.

Tipp für den besten Blick auf den Rynek: Wer die rund 300 Stufen zur Aussichtsplattform der St.-Elisabeth-Kirche erklimmt, wird mit einem der schönsten Panoramablicke über die farbenfrohen Bürgerhäuser, das Rathaus und die Türme der Altstadt belohnt.

Ein Abstecher zum Nachbar: Gleich neben dem Marktplatz befindet sich noch einen kleineren Platz, bekannt als der Salzmarkt oder der Salzring. Der Platz überrascht mit seinen zahlreichen Blumenständen, die sogar an Feiertagen und um 5 Uhr morgens geöffnet sind.

Noch ein Tipp: Wer erstklassiges polnisches Essen – innovativ und modern – schmecken möchte, sollte das Restaurant Młoda Polska auf dem Salzring besuchen. Neben hervorragender Küche stehen Ihnen hier auch fantastische Cocktailvariationen zur Auswahl.

Das Alte Rathaus – Gotische Pracht mitten im Zentrum

Das Alte Rathaus auf dem Breslauer Marktplatz
Das Rathaus auf dem Breslauer Marktplatz © zugprofi.com

Mitten auf dem Marktplatz erhebt sich das Alte Rathaus, eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Polens. Über mehrere Jahrhunderte wurde das Gebäude erweitert und zählt heute zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Mit seinen filigranen Verzierungen, Türmchen und Erkern erinnert es an die große Zeit Breslaus als Handels- und Kulturmetropole. Einen Besuch wert sind auch die kunstvollen Innenräume, wo sich heute das Museum für Bürgerkunst befindet. Besonders interessant sind der Große Saal (Wielka Sala) – ein riesiger Prachtraum mit einem beeindruckenden Kreuzgewölbe und die Fürstenkrone-Kapelle, wo wertvolle sakrale Goldschmiedearbeiten zu bewundern sind.

Im unteren Geschoss des Alten Rathauses können Sie eins der ältesten Restaurants Europas besuchen. In den jahrhundertealten Gewölben des traditionsreichen Schweidnitzer Kellers (Piwnica Świdnicka), wo einst Goethe, Lessing und Chopin gespeist haben, spüren Sie ein Stück lebendiger Stadtgeschichte und lernen gleichzeitig die schlesische Küche kennen.

Kurzer Tipp: Vor dem Rathaus sehen Sie das Denkmal des polnischen Dichters Aleksander Fredro. An dieser Stelle starten die beliebten Free Walking Tours durch Breslau. Bitte beachten Sie: Die Teilnahme muss im Voraus (online) gebucht werden. Die Bezahlung erfolgt nach der Tour, wobei Sie nur das zahlen, was Sie für angemessen halten.

Die Universität Breslau und die Aula Leopoldina

Aula Leopoldina der Breslauer Universität
Aula Leopoldina der Breslauer Universität (Bildquelle Pixabay)

Nur einen Katzensprung vom Marktplatz entfernt erreichen Sie die Universität Breslau – eine der ältesten Hochschulen Mitteleuropas. Ihr größter Schatz ist die prachtvolle Aula Leopoldina (Aula Leopoldyńska), ein Meisterwerk des Barocks. Goldverzierungen, Fresken und kunstvolle Skulpturen machen den Festsaal zu einem der beeindruckendsten Universitätsräume Europas. Die Aula wurde zwischen 1728 und 1732 zu Ehren des römisch-deutschen Kaisers Leopold I. – des Gründers der Universität – errichtet.

Der Saal gehört heute zum Museum der Universität Breslau und kann zusammen mit drei weiteren Räumlichkeiten (dem Mathematischen Turn, dem Oratorium Marianum – dem zweiten Prunksaal der Universität – und der Hauptausstellung des Museums) oder auch separat besichtigt werden. Das Kombiticket kostet ca. 6,50 €. Das Museum ist täglich 10 und 17 Uhr geöffnet (in der Wintersaison von Oktober bis April – bis 16 Uhr)

Tipp: Im Mathematischen Turm, dem ehemaligen Observatorium der Universität, können Sie neben historischen Astronomie-Messgeräten auch die exakte Meridianlinie von Breslau sehen. Das absolute Highlight ist aber die von Skulpturen gesäumte Dachterrasse in 42 Metern Höhe, die einen wunderbarer Blick über die Altstadt bietet.

Hala Targowa – Breslaus historische Markthalle

Breslauer Markthalle
Die Markthalle von Breslau © zugprofi.com

Wer das alltägliche Leben der Breslauer kennenlernen möchte, sollte die historische Markthalle (unweit der Universität) besuchen. Unter dem eindrucksvollen Stahlgewölbe bieten Händler frisches Obst, Gemüse, regionale Spezialitäten, Blumen und traditionelle Produkte an.

Besonders am Vormittag herrscht hier eine lebendige Atmosphäre, die einen authentischen Einblick in das Leben der Stadt vermittelt.

Die Dominsel – Wo Breslau einst begann

Blick auf die Dominsel von der Altstadt-Seite
Einer der schönsten Blicke auf die Dominsel © zugprofi.com

Die Dominsel (Ostrów Tumski) ist der älteste Teil Breslaus und gilt als die Wiege der Stadt. Kopfsteinpflaster, historische Kirchen und romantische Laternen verleihen dem Viertel eine besondere Atmosphäre. Hier scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen als im lebhaften Stadtzentrum.

Nicht verpassen sollten Sie das Anzünden der 102 Laternen auf der Dominsel. Im schwarzen Gewand gekleidet, geht der Laternenmann bei Abenddämmerung von Laterne zu Laterne und zündet sie an – genau wie das auch in der Vergangenheit gemacht wurde. Das einzigartige Schauspiel wiederholt sich beim Einbruch des Tages, wenn die Laternen gelöscht werden. 

Interessante Tatsache ist, dass die Dominsel keine wirkliche Insel mehr ist, da der Fluss an dieser Stelle im 19. Jahrhundert zugeschüttet wurde. Trotzdem ist sie aber auch über Brücken mit anderen Teilen der Stadt verbunden, wie etwa mit der benachbarten Sandinsel und mit der Altstadt, wo sich die markante Markthalle befindet.

Tipp: Gute Panoramafotos von der Skyline sind von der gegenüberliegenden Seite der Oder – der Altstadt-Seite – aufzunehmen. Gleich hinter der historischen Sandbrücke (Most Piaskowy), beginnt eine Promenade, von der man einen tollen Blick auf die gesamte Dominsel hat.

Die Kathedrale St. Johannes der Täufer

Die Türme des Breslauer Doms
Der Breslauer Dom mit seinen hoch in den Himmel ragenden Türmen (© zugprofi.com)

Die mächtige Kathedrale auf der Dominsel prägt die Skyline Breslaus mit ihren markanten Türmen.

Lassen Sie sich den herrlichen Blick über die Altstadt, die Oder und die zahlreichen Brücken Breslaus vom Nordturm der Kathedrale nicht entgehen. Ein Aufzug sorgt für den entspannten Aufstieg zur Aussichtsplattform in 60 Höhenmetern.

Info: Der Eintritt für die Turmplattform kostet ca. 5,80 EUR. Die Besichtigung des Hauptschiffs der Kathedrale im Erdgeschoss ist dagegen kostenlos.

Auf Zwergensuche

Breslauer Zwerg
Über 800 Zwergen sind überall in Breslau zu finden (Bildquelle Puxabay)

Eine der ungewöhnlichsten Attraktionen der Stadt sind die berühmten Breslauer Zwerge. Mehr als 800 kleine Bronzefiguren verstecken sich mittlerweile in den Straßen, Parks und auf Plätzen der Stadt.

Jeder Zwerg besitzt seine eigene Geschichte und Persönlichkeit. Manche sitzen auf Fensterbänken, andere bewachen Banken, Hotels oder Restaurants. Die Suche nach den kleinen Figuren entwickelt sich schnell zu einer unterhaltsamen Stadterkundung für Jung und Alt.

Die Jahrhunderthalle – UNESCO-Welterbe in Breslau

Breslau Jahrhunderthalle
Breslau Jahrhunderthalle (Quelle Pixabay)

Etwas außerhalb der Altstadt befindet sich die Jahrhunderthalle (Hala Stulecia), eines der bedeutendsten Bauwerke der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Bereits beim ersten Anblick beeindruckt das kreisförmige, 42 Meter hohe Veranstaltungsgebäude durch ihre Größe. Zur Zeit ihrer Fertigstellung im Jahr 1913 war es das größte mit Stahlbeton gebaute Gebäude der Welt. Heute gehört die Halle zum UNESCO-Welterbe und dient als Veranstaltungsort für Konzerte, Messen und kulturelle Events.

Nicht zu verpassen ist auch das Schauspiel des Multimedialen Brunnens, welches ebenfalls zu den größten seiner Art in Europa gehört. Über 300 Wasserdüsen, Lichtprojektoren und Musiksysteme erzeugen spektakuläre Shows, die im Sommer täglich stattfinden. Besonders spektakulär sind die Choreografien an den Wochenenden – beim Anbruch der Dunkelheit, bei denen zusätzlich Filme und Bilder auf einer riesigen Wasserwand projiziert werden. Der Eintritt ist kostenlos.

Kurzer Tipp: In der Nähe der Jahrhunderthalle lädt der Japanische Garten (Ogród Japoński, Eintritt ca. 4,50 €) zum Besuch ein. Sorgfältig angelegte Teiche, kleine Brücken, exotische Pflanzen und traditionelle Gestaltungselemente schaffen eine Atmosphäre fernab des Großstadttrubels.

Die Oder, die Brücken und die Schiffe

Breslau – Blick auf die Stadt und übder die Oder

Nicht umsonst wird Breslau häufig mit Venedig verglichen. Die Stadt erstreckt sich über zahlreiche Inseln und wird von mehr als hundert Brücken und Stegen verbunden. Entlang der Oder laden Promenaden und Grünanlagen zu Spaziergängen ein.

Eine Bootsfahrt auf dem Fluss eröffnet dabei ganz neue Perspektiven auf die Altstadt, die Dominsel und die historischen Uferbereiche.

Gut zu wissen: Große Schiffe sowie kleinere Katamaranen und Boote bieten in den Sommermonaten (April/Mai bis Oktober) spannende Rundfahrten entlang der Oder an und schaffen dabei eine großartige Möglichkeit die verschiedenen Teile der Stadt auf eine angenehme Weise zu erreichen. D

  • So geht es in einer etwa 40-50 minütigen Fahrt mit einem der kleineren Booten von der Universität zur Dominsel.
  • An der nahegelegenen Markthalle (Hala Targowa) können Sie in eines der stündlich verkehrenden großen Ausflugsschiffe einsteigen und zum Breslauer Zoo, wo sich auch die Jahrhunderthalle befindet, fahren.
  • Gegenüber der Markthalle, an der roten Sandbrücke (Most Piaskowy) laden die beliebten solargetriebenen Katamaranen zu Rundfahrten mit Audioguides (auch in deutscher Sprache) ein.

Die Tickets für die Schiffsausflüge können Sie auch spontan vor Ort lösen.

Tipp: An Bord des größten Schiffes Breslaus – der Wratislavia – können Sie im Restaurant kulinarisch verwöhnt werden, während die schönen Ausblicke an Ihnen vorbeiziehen.

Geheimtipp: Die Aussicht von der Brücke der Büßerinnen (Mostek Pokutnic)

Zwischen den Türmen der Marien-Magdalenen-Kirche in der Breslauer Innenstadt befindet sich eine Brücke, die mit Legenden verbunden ist und die seltsamen Namen wir Hexenbrücke oder Brücke der Büßerinnen trägt. Wer die Legenden erfahren möchte und die Stufen nach oben bewältigt, wird mit einem umwerfenden Blick über die Dächer der Altstadt und den Marktplatz belohnt.

Fazit

Breslau ist keine Stadt, die sich mit einem einzigen Blick erfassen lässt. Sie erschließt sich Schritt für Schritt – auf dem Marktplatz, in den Gassen der Altstadt, auf der Dominsel oder bei einem Abendessen in historischen Gemäuern. Genau darin liegt ihr besonderer Reiz: Breslau überrascht, begeistert und macht Lust auf ein Wiedersehen.


Weiterführende Links:

  • Free Walking Tour Breslau – hier buchen
    Bitte beachten Sie: Nicht alle Tours werden in Deutscher Sprache angeboten. Achten Sie bei der Buchung auf die angebotenen Sprachen.
  • Breslau aus 200 Höhenmetern bewundern: Die 2023 umfassend modernisierte SkyTower bietet ein umwerfendes Panorama über die Stadt und ihre Umgebung. In der 49. Etage des Wolkenkratzers, wo Sie ein Multimedia-Aufzug führt erwarten Sie zudem ein gemütliches Café und eine Außenterrasse (Eintritt 53,- PLN) – Tickets (en)
  • Stadtplan mit den Sehenswürdigkeiten – PDF öffnen
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