Am Morgen des 20. Juli 1944 fliegt ein junger deutscher Offizier mit einer Bombe in der Tasche nach Ostpreußen. In einem Umkleideraum entschärft er sie und nimmt sie in seiner Aktentasche mit zur Besprechung mit Hitler. Aufgrund der sommerlichen Hitze findet die Besprechung nicht wie geplant im Betonbunker statt, sondern in einer leichten Holzbaracke. Die Bombe detoniert um 12:42 Uhr, eine nicht geringe Menge der Explosionsenergie kann aus der Baracke entweichen – und Hitler überlebt.
Ort des Geschehens: die Wolfsschanze in Ostpreußen, tief in den masurischen Wäldern versteckt, eines von 21 Führerhauptquartieren, die Hitler in ganz Europa aufgebaut hat. Der junge Offizier, der diesen heldenhaften Akt des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime noch am selben Abend mit dem Leben bezahlt: Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Für alle, die sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs begeistern können, ist der Besuch der Wolfsschanze ein Muss. Hier verbrachte Hitler den größten Teil des Krieges, hier wurden die Kriegstage und auch der Völkermord an den Juden geplant. Sie liegt in den dichten Wäldern des Görlitzer Forstes, 8 km östlich von Rastenburg, und war mit ihrer Lage an der Grenze zur damaligen Sowjetunion eine zentrale Befehlsstelle für Operationen an der Ostfront. Für Besucher werden regelmäßig Führungen angeboten.
In Baracke 3 verfehlte die Bombe von Stauffenbergs ihr Ziel

Die Wolfsschanze, die kurz vor Kriegsende gesprengt wurde – bis heute liegen riesige Bunker wie aufgeplatzt in den Wäldern – ist ein Symbol für den Größenwahn der Nationalsozialisten, aber auch für den Widerstand gegen die Hitler-Diktatur: Das gescheiterte Attentat auf Hitler, mit dem der Wahnsinn des Krieges beendet werden sollte, ist ein Akt des Widerstands, der unbedingt miterzählt werden muss, wenn man die Geschichte des Zweiten Weltkriegs erzählt.
Zwischen 1940 und 1944 wurde die geheime Anlage von insgesamt rund 4600 Ingenieuren und Bauarbeitern für 36 Millionen Reichsmark erbaut – aus Gründen der Geheimhaltung wurden sie alle 3 Monate ausgetauscht. Das 10 ha große Areal war umgeben von einem 50 m tiefen Minengürtel und Stacheldrahtverhauen, die an nur drei Stellen passierbar waren. Fast 50 Bunker, darunter eigene für unter anderem Hitler, Keitel und Göring, Offizierskasinos, Luftschutzbunker und eine Verbindungsstelle zwischen Luftwaffe und Marine machten die Anlage zu einer Stadt mit eigener Versorgung.
Ausgeklügelte Tarnung mit künstlichen Bäumen und speziellem Außenputz

Bis Juni 1941 überflog jeden Tag ein sowjetisches Linienflugzeug das Areal zwischen Moskau und Berlin – daher war für die Bewohner der Wolfsschanze eine perfekte Tarnung überlebenswichtig: Schneisen wurden im Wald nur geschlagen, wenn sie notwendig waren, Bäume wurden umgesetzt und mit künstlichen Bäumen ergänzt, über Wege und Gebäude wurden Tarnnetze gespannt und die Außenwände erhielten einen speziellen Putz, der mit Tarnfarbe gestrichen wurde.
Als 1944 die sowjetischen Truppen anrückten, wurde die Wolfsschanze evakuiert. Kurz vor der Ankunft der Roten Armee versuchte die Wehrmacht, die Gebäude zu sprengen; dies gelang aufgrund der äußerst massiven Bauweise nicht vollständig. Auch die Alliierten konnten die Anlagen nicht komplett zerstören, so dass heute noch zahlreiche vormalige Bunkeranlagen erhalten sind.
Am 27.1.1945 besetzte die Rote Armee die Wolfsschanze kampflos.
Heutige Gedenkstätte mit Fokus auf Information und Dokumentation

Seit 1959 ist die Wolfsschanze öffentlich zugänglich. Nachdem zunächst der Fokus auf der touristischen Nutzung lag, änderte sich das Bild im Laufe der Zeit. Touristische Programmpunkte wurden entfernt; heute stehen Information und Dokumentation im Vordergrund: Eine Gedenktafel erinnert an den Ort des Attentats, die zerstörte Lagerbaracke wurde in einem anderen Gebäude detailliert nachgebaut, zudem gibt es eine Ausstellung zum Warschauer Aufstand.
Heute sind unter anderem folgende Bereiche für Besucher zugänglich: der ehemals streng geheime Stadtkomplex mit Kaserne, Kraftwerk und Wasserversorgung, die Mauerreste von Baracke 3, wo Stauffenbergs Attentat stattfand, das unterirdische Lebensmittellager, Hitlers ehemaliger Bunker mit Schlafzimmer, Badezimmer und Garderobe sowie der Flugabwehrbunker, eine der größten Einrichtungen im gesamten Komplex.


