Masuren – Blick von oben auf schöne Naturlandschaften
Masuren Polen (Quelle Pixabay)

Masuren – wo Polen am schönsten ist

Malerische Seen, dunkle Wälder, schier endlose Felder unter einem weiten blauen Himmel – die Masuren im Norden Polens sind ein malerischer Landstrich voller Ruhe und Frieden, in dem die Natur die Hauptrolle spielt.

Wenn Sie einen Ort suchen, der Ihnen Entschleunigung und naturnahe Idylle nicht nur verspricht, sondern auch tatsächlich bietet, dann sind Sie hier genau richtig: Die Masuren sind eines der unbekannten Naturparadiese der Erde, ein wenig wie aus der Zeit gefallen, verträumt, still.

Das Bild des beschaulichen Masuren mit vielen kristallklaren Seen und tiefen Wäldern wurde besonders durch die aus dem Osten stammenden Schriftsteller wie Siegfried Lenz, Arno Surminski und Marion Gräfin Dönhoff geprägt. Surminski schrieb einmal, man könne Vater und Mutter verlassen, Kühlschränke, Farbfernseher und Telefonapparate, um in Masuren das einfache Leben zu leben – für viele moderne, gestresste Menschen sicher bis heute eine verlockende Vorstellung!

Welche Sehenswürdigkeiten bieten die Masuren?

Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, haben wir die schönsten Sehenswürdigkeiten Masurens für Sie zusammengestellt.

Allenstein – Kleinod zwischen Historie und Moderne

Das Rathaus in Olsztyn (Allenstein) Masuren
Allenstein Rathaus (Quelle Pixabay)

Die Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland-Masuren liegt am Fluss Alle. Inmitten der Allensteiner Seenplatte situiert, umgeben von Hügeln und dichten Wäldern, hat die Stadt, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter polnische Verwaltung gestellt wurde, sich zu einem Kleinod entwickelt, in dem moderne Einflüsse charmant auf beeindruckende Zeugen aus vergangner Zeit treffen. Sie finden hier hippe Cafés, Restaurants und Bars ebenso wie historische Gebäude und Monumente.

Das Rathaus Allensteins gehört zu den schönsten Rathäusern in ganz Nordpolen. Im Stil der niederländische Renaissance gestaltet, begeistert das Rathaus nicht nur mit einem hohen, filigranen Turm, von dem aus ein Glockenspiel mit dem Ermlandlied ertönt, sondern auch mit wunderschönen Sandsteinreliefs an der Ostseite, geschaffen vom Berliner Bildhauer Max Krause. Steigen Sie unbedingt bis ins oberste Stockwerk hinauf: Hier finden Sie ein kleines Fenster vor, von dem aus Sie einen grandiosen, unverstellten Blick auf die Altstadt haben.

Das Herz der Altstadt bildet der Altstadtmarkt – hier wird seit dem 14. Jahrhundert Handel getrieben. Nachdem die Altstadt am Ende des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee zerstört worden war, wurde sie in den 1950-er Jahren im pseudohistorischen Stil wieder aufgebaut, mit neobarocken und Neorenaissance-Elementen.

Kopernikus ritzte Berechnungen ins Gemäuer

Auf Burg Allenstein hat Nikolaus Kopernikus seine Spuren hinterlassen: Hier lebte und arbeitete der berühmte Astronom von 1516 bis 1521 – an einer Wand im Obergeschoss finden Sie seine Ritzungen mit astronomischen Berechnungen, denn Papier war damals sehr kostbar. Das beliebteste Fotomotiv der Stadt ist der bronzene Kopernikus, dessen Blick gedankenverloren auf Schloss und Himmel ruht. Besuchen Sie auch den herrlichen Schlosspark mit Springbrunnen und Skupturen, der Burg Allenstein einrahmt.

Frauenburg – hier forschte Nikolaus Kopernikus

Der Frauenburger Dom / Frombork Masuren
Der Frauenburger Dom (Quelle Pixabay)

Idyllisch am Frischen Haff an der polnischen Ostseeküste gelegen, rund eine Stunde östlich von Danzig, erwartet Sie die kleine 2500-Einwohner-Stadt Frauenburg, die auf faszinierende Weise Geschichte, Natur und Erholung vereint.

Das markanteste Gebäude der Stadt ist der im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaute, mit vier Ecktürmchen gestaltete Dom. Hier hat im 16. Jahrhundert ein Mann das Weltbild des Mittelalters erschüttert: Nikolaus Kopernikus lebte und wirkte von 1513 bis zu seinem Tod 1543 fast durchgängig in Frauenburg. Hier stellte er seine bahnbrechenden astronomischen Beobachtungen und Berechnungen an, die schließlich das antike geozentrische Weltbild aus den Angeln heben sollten: Seit Kopernikus wissen wir, dass nicht die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, sondern die Sonne, um die die Erde sich dreht.

Im Kopernikus-Museum, untergebracht im ehemaligen Bischofspalast, tauchen Sie ein in die spannende Welt der Astronomie, bestaunen historische Modelle und Dokumente und lassen sich interaktiv mit hineinnehmen in die faszinierenden Entdeckungen, die Kopernikus hier machte.

Glockenturm bietet herrlichen Blick bis nach Kaliningrad

Wenn Sie in den Glockenturm hinaufsteigen, werden Sie in verschiedener Hinsicht belohnt: Hier befindet sich nicht nur ein Planetarium mit einem Foucault´schen Pendel, das die Erdrotation demonstriert – von hier aus haben Sie auch einen umwerfenden Ausblick über die Moränenlandschaft, das Frische Haff und die Frische Nehrung und an schönen Tagen bis hin zur russischen Enklave Kaliningrad.

Heilsberg – charmante Symbiose von Geschichte und Natur

Burg Heilsberg in Heilsberg (Lidzbark Warmiński) in der polnischen Vivodschaft Masuren
Burg Heilsberg (Quelle Pixabay)

Die perfekte Mischung von Natur und Historie finden Sie in und um Heilsberg. Dominiert wird das Stadtbild von der Bischofsburg, einem monumentalen Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert, das über Jahrhunderte hinweg die Residenz der ermländischen Bischöfe und dabei nicht nur religiöses, sondern auch politisches Zentrum war. Die Bischofsburg, mit ihren massiven Mauern, einem weitläufigen quadratischen Innenhof, ihren hohen Türmen und einem Kreuzgang mit kunstvoll gestalteten Gewölben ein Paradebeispiel für gotische Baukunst, erzählt von der reichen Vergangenheit des Ermlands – auch hier wirkte Kopernikus für einige Zeit.

Heute ist in der Bischofsburg ein Museum zur Geschichte des Ermlands untergebracht mit Artefakten aus dem Mittelalter, historischen Möbeln und Waffen und sakralen Kunstwerken.

Tauchen Sie ein in die Magie unberührter Landschaften

Einen spannenden Gegenpol zu den Kulturerlebnissen, die Heilsberg Ihnen bietet, bildet die wunderschöne Natur, mit der die masurische Landschaft rund um das Dorf Sie verzaubern wird: Mehrere Naturparks liegen in direkter Nähe, unter anderem der Masurische Landschaftspark mit einer besonders artenreichen Flora und Fauna. Naturfreunde können hier seltene Vögel wie den Seeadler, den wunderschönen Eisvogel oder den Schwarzstorch entdecken. Jahrhundertealte Bäume, stille Wasserläufe und überall dazwischen kleine Lichtungen mit zauberhaften Schattenspielen – lassen Sie sich entführen in diese magische, unberührte Landschaft, die zu den naturnahesten in ganz Polen gehört und ideal ist für kleine Wanderungen oder Radtouren.

Wolfsschanze – Symbol für Größenwahn und Widerstand

Überreste der Wolfsschanze
Wolfsschanze Foto: Albertyanks, Wikimedia Commons, Public Domain

Für alle, die sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs begeistern können, ist der Besuch der Wolfsschanze ein lohnendes Ausflugsziel in Masuren. Die Wolfsschanze ist eines von insgesamt 21 Führerhauptquartieren, die Adolf Hitler in ganz Europa erbauen ließ – hier verbrachte Hitler den größten Teil des Krieges, hier wurden die Kriegstage und auch der Völkermord an den Juden geplant. Sie liegt in den dichten Wäldern des Görlitzer Forstes, 8 km östlich von Rastenburg, und war mit ihrer Lage an der Grenze zur damaligen Sowjetunion eine zentrale Befehlsstelle für Operationen an der Ostfront. Für Besucher werden regelmäßig Führungen angeboten.

In Baracke 3 verfehlte die Bombe von Stauffenbergs ihr Ziel

Die Wolfsschanze, die kurz vor Kriegsende gesprengt wurde – bis heute liegen riesige Bunker wie aufgeplatzt in den Wäldern – ist ein Symbol für den Größenwahn der Nationalsozialisten, aber auch für den Widerstand gegen die Hitler-Diktatur: Hier in der Wolfsschanze, in Baracke 3, zündete Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 die Bombe, die er in seiner Aktentasche hineingeschleust hatte und die Hitler hätte töten sollen.

Zwischen 1940 und 1944 wurde die geheime Anlage von insgesamt rund 4600 Ingenieuren und Bauarbeitern für 36 Millionen Reichsmark erbaut – aus Gründen der Geheimhaltung wurden sie alle 3 Monate ausgetauscht. Das 10 ha große Areal war umgeben von einem 50 m tiefen Minengürtel und Stacheldrahtverhauen, die an nur drei Stellen passierbar waren. Fast 50 Bunker, darunter eigene für unter anderem Hitler, Keitel und Göring, Offizierskasinoss, Luftschutzbunker und eine Verbindungsstelle zwischen Luftwaffe und Marine machten die Anlage zu einer Stadt mit eigener Versorgung.

Am 27.1.1945 besetzte die Rote Armee die Wolfsschanze kampflos.

Heute sind unter anderem folgende Bereiche für Besucher zugänglich: der ehemals streng geheime Stadtkomplex mit Kaserne, Kraftwerk und Wasserversorgung, die Mauerreste von Baracke 3, wo Stauffenbergs Attentat stattfand, das unterirdische Lebensmittellager, Hitlers ehemaliger Bunker mit Schlafzimmer, Badezimmer und Garderobe sowie der Flugabwehrbunker, eine der größten Einrichtungen im gesamten Komplex.

Lötzen – beliebter Ferienort zwischen zwei Seen

Der Strand in Lötzen  (Giżycko)
Der Strand in Lötzen (Quelle Pixabay)

Malerisch zwischen den beiden Seen Kisajno-See und Niegocin-See gelegen, gehört Lötzen zu den beliebtesten Ferienorten Polens – und gilt gleichzeitig als polnische Segelhauptstadt und Mekka für Wassersportfans.

Das markanteste Bauwerk Lötzens ist die Feste Boyen, ein herausragendes Beispiel für Militärbaukunst, bekannt nach dem Initiator des Projekts, dem preußischen Kriegsminister Hermann von Boyen. Zwischen 1843 und 1855 auf Anordnung von König Friedrich Wilhelm II erbaut, liegt sie auf der sogenannten Lötzeninsel und diente früher der Verteidigung des preußischen Reichs. Rund 16 Millionen Ziegelsteine wurden für das monumentale, in Form eines siebenzackigen Sterns gestaltete Gebäude verbaut, das bis zu 3000 Soldaten aufnehmen konnte.

Heute sind in der Feste Boyen unter anderem eine Jugendherberge, ein Museum sowie eine Kunstgalerie untergebracht, in der Sie die Graphiken weltberühmter und polnischer Künstler bestaunen können.

Genießen Sie die herrliche Aussicht vom Wasserturm aus

Eine herrliche Panoramasicht auf die Stadt, die Wälder und masurischen Seen haben Sie vom Wasserturm aus – und zwar vom Restaurant im oberen Stockwerk aus, in das Sie ganz bequem per Fahrstuhl gelangen. 1900 aus unverputzten Ziegelsteinen im neogotischen Stil erbaut, hat er Lötzen bis 1996 mit Wasser versorgt. Seine charakteristische Kuppel, die einst als Wasserreservoir fungierte, wurde zu einer modernen Aussichtsplattform umgebaut. Auch ein schönes Café und eine kleine Sammlung mit historischen Bildern von Lötzen beherbergt der Wasserturm.

100-Tonnen-Brücke wird von Hand bewegt

Die Drehbrücke in Lötzen, auf den Luczanski-Kanal gelegen, gehört zu den bekanntesten technischen Denkmälern Masurens. 1860 erbaut, verband sie die Stadt mit der Feste Boyen. Das Besondere, europaweit Einmalige: Sie funktioniert vollständig manuell, ohne jeglichen technischen Antrieb. Das 100 Tonnen schwere Brückenelement wird von Hand mit einer Hebelübersetzung um 90 Grad zur Seite geschwenkt, um die Schiffe passieren lassen zu können. Zwar wurde zwischen 1960 und 1970 ein elektrischer Antrieb eingebaut – dieser zerstörte aber das Ufergebiet so stark, dass man später wieder zum ursprünglichen Modell zurückkehrte.  

Lyck – entdecken Sie die Geburtsstadt von Siegfried Lenz

Der Łaśmiady  See in den Masuren
Łaśmiady Lake (Quelle Pixabay)

Lyck im Südosten Polens ist die Geburtsstadt des berühmten deutschen Schriftstellers Siegfried Lenz – hier erblickte er 1926 das Licht der Welt. In seiner Kurzgeschichtensammlung „So zärtlich war Suleyken“ hat er seine Liebe zu Masuren dichterisch zum Ausdruck gebracht.

Heute ist Lyck die drittgrößte Stadt in Ermland-Masuren und bedeutendes regionales Zentrum mit wichtigen historischen Gebäuden.

Besuchen Sie die Adalbertskathedrale, die zusammen mit der Marienkirche in Goldap das bedeutendste Gotteshaus im östlichen Masuren ist und Sitz des Bischofs des Bistums Lyck. Wie durch ein Wunder überlebte das in den 1880er Jahren im neogotischen Stil erbaute Gotteshaus den Zweiten Weltkrieg unbeschadet.

Die Herz-Jesu-Kirche mitten in der Stadt wurde im Ersten Weltkrieg zerstört und zwischen 1922 und 1925 unter Verwendung älterer Bauelemente wieder aufgebaut und überstand den Zweiten Weltkrieg ebenfalls relativ unbeschadet. Lassen Sie sich begeistern vom bunt gestalteten Inneren der Kirche, die über und über mit Ornamenten versehen ist, die an mittelalterliche byzantinische Fresken erinnern.

Wasserturm versorgte 20.000 Bewohner mit Trinkwasser

In Lyck entdecken Sie auch den am besten erhaltenen Wasserturm ganz Masurens. 1895 in Betrieb genommen, konnte das fünfgeschossige Gebäude damals 20.000 Bewohner mit Trinkwasser versorgen. Heute hat hier eine Vereinigung der deutschen Minderheit ihren Sitz, und es gibt eine kleine Ausstellung zu bewundern, „Museum des Wassertropfens“, die Alltagsgegenstände aus dem Leben der Lycher zeigt und dazu technisches Gerät rund um das Thema Wasser.

Eisenbahnfreunde werden eine Fahrt mit der Lycker Kleinbahn, einer während des Ersten Weltkriegs in Betrieb genommenen Schmalspurbahn, lieben. Sie bringt Sie in rund zwei Stunden bis zum Grenzort Thurowen – mit etwas Glück erwischen Sie sogar die historische Dampflok.

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